VINCENTZ BERLIN – Immer einen Schritt voraus!

Das Gesundheitswesen im internationalen Vergleich

03.11.2014 13:28 Uhr  

Themen: Gesundheit   Gesundheitspolitik   Krankenhaus   Pflege   Sozialpolitik   Versorgungsmanagement  

Martin Schölkopf, Holger Pressel, Das Gesundheitswesen im internationalen Vergleich, Gesundheitssystemvergleich und europäische Gesundheitspolitik, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Berlin 2014, ISBN 978-3-95466-101-5, 304 S., 69,95 €. 1. Auflage: Berlin 2010, ISBN 978-3-939069-74-4

Wie schnell ist wieder nichts passiert

Die Deutschen haben ein schizophrenes Verhältnis zu ihrem Gesundheitssystem: Werden sie im Ausland krank, treibt es die meisten so schnell wie möglich zurück ins deutsche Gesundheitswesen, der Markt für Versicherungen, die dafür die Kosten übernehmen, boomt. Bei Zufriedenheitsbefragungen lässt die Begeisterung  aber schnell nach, im internationalen Vergleich rangieren die Deutschen da im Mittelfeld, hinter Tschechien, Estland und Slowenien wie man in dem hier zu besprechenden Buch nachlesen kann (S. 228). In seiner Skepsis wird Otto Normalpatient bestärkt durch die Medien, die wiederum auf auf die Expertise von Experten zurückgreifen, die dann erklären was in der Schweiz, in Holland, den USA oder Skandinavien alles besser läuft. Es ist deshalb sehr verdienstvoll, dass der Unterabteilungsleiter für Pflegeversicherung im Bundesgesundheitsministerium Martin Schölkopf und  der Leiter des Referats "Politik" in der AOK Baden-Württemberg gemeinsam eine fundierte Vergleiche über verschiedene Gesundheitssystem vorlegen und gleichzeitig eine Übersicht über die europäische Gesundheitspolitik geben.

Die erste Auflage hatte Martin Schölkopf 2010 noch allein erarbeitet. Die Spuren, die die internationale Finanz- und Staatsschuldenkrise auch in vielen  Gesundheitssystemen hinterlassen hat sowie "Obamacare" haben zu Veränderungen geführt, die neben der Fleißarbeit der vielen Aktualisierung es verständlich machen, dass dies nicht von einem Autor allein geleistet werden kann. Im Vergleich zur ersten Auflage ist es auch zu inhaltlichen Ausweitungen gekommen, so sind Überblicke über die Gesundheitssysteme von mittel- und osteuropäischen Staaten hinzugekommen.  In der aktuellen Ausgabe sind über 30 Länderberichte enthalten, die außerdem durch quantitative Daten ergänzt sind, was eine vergleichende Bewertung der verschiedenen Systeme erleichtert.

Wir werden also mit einer Welt im Wandel konfrontiert. Da ist man überrascht, an welchen Stellen offenkundig kein Anpassungsbedarf besteht. So sind die jeweiligen Zusammenfassungen für das Kapitel, das sich mit Effizienz, Qualität und Nutzerorientierung befasst, in beiden Auflagen gleich (1. Aufl.: S. 195; 2. Aufl.: S. 238f).  Sie schließen mit dem Nachholbedarf des deutschen Gesundheitswesens. Das ist neben der Zufriedenheit der Bevölkerung  die Ergebnisqualität: "Hier findet sich Deutschland fast nie auf den ersten Plätzen, sondern meist im Mittelfeld oder als Nachzügler wieder". Wenn es um Qualität geht, gilt im deutschen Gesundheitswesen offenkundig: Wie schnell ist wieder nichts passiert.

Von Dr. Andreas Meusch


Dateianhänge

Keine Dateianhänge vorhanden

« Zurück zur Artikel-Übersicht



Vincentz Apps

Topaktuelle News zur aktuellen Gesundheitspolitik und -wirtschaft in einer praktischen App.

iPool ist Ihre mobile Nachrichtenagentur und liefert Nachrichten, Hintergründe sowie Kommentare zur Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft - aufbereitet für mobiles Lesen. Mehr erfahren »

Apple App-Store Grafik Google Play-Store Grafik


Netzwerke

Bleiben Sie mit uns in Kontakt …