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eHealth: Hausärzte verschlanken Aufwand bei HZV-Verwaltung

18.05.2017 16:14 Uhr  

Themen: Gesundheitspolitik   Ärzte   Krankenkassen  

„Ich habe gehört, dass die ersten Adressen auf den elektronischen Gesundheitskarten inzwischen korrigiert wurden. Respekt – nach zehn bis fünfzehn Jahren ist das ein großer Schritt“, eröffnete Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, die Verbandspressekonferenz zum Thema Digitalisierung spöttisch. Er wolle den Termin aber nicht nur nutzen, um die gematik "zu vermöbeln", auch wenn er diese als zentrales Hindernis der Digitalisierung sehe. Die Akteure der gematik hätten es über Jahre versäumt, sich auf einheitliche Standards der Telematikinfrastruktur zu einigen. „Die Politik muss jetzt Fakten schaffen und die Eckpunkte der Telematikinfrastruktur ein für alle Mal festlegen, sonst befürchte ich, dass die gematik in den nächsten Jahren nur noch mehr Zeit und Geld verschwenden wird. Das sollte aus unserer Sicht auch ein Thema für den nächsten Koalitionsvertrag sein“, so der Verbandschef. Kritik äußerte Weigeldt zudem an der Videosprechstunde, die am 1. April in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen wurde. Es sei fraglich, ob es sich lohne die Praxis aufzurüsten, um einmal die Woche mit einem Patienten per Video sprechen zu können, so seine als Spitze formulierte Übertreibung. „Die Videosprechstunde ist ein Rohrkrepierer. Sie ist mit dermaßen vielen Vorgaben und Regelungen verbunden, dass im Grunde jeder weiß, dass in der Praxis kaum ein Patient hiervon profitieren wird. Das ist Digitalisierung à la Selbstverwaltung.“ Die Fernbehandlung von Unbekannten sei darüber hinaus ein Thema, das die Hausärzte nicht nach vorne bringen wollen.

Wund durch Verwaltung

„Wenn es auf dem Weg nicht geht, dann müssen wir als Verband selbst etwas tun“, führte Weigeldt weiter aus. Die Leistungserfassung und Abrechnung der Vollversorgungverträge zur Hausarztzentrierten Versorgung soll zukünftig deutlich einfacher und schneller durchgeführt werden können. Basis dafür sei Geniocare, eine webbasierte Browser-Applikation, welche die egopulse Deutschland GmbH in Abstimmung mit dem Hausärzteverband entwickelt hat. Wichtig: Geniocare ist kein vollwertiges Praxisverwaltungssystem, sondern dient nur der Abwicklung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) und wird den Hausärzten in ganz Deutschland im Verlauf des dritten Quartals zu einem Fixpreis von 49 Euro pro Monat angeboten. Die KV-Abrechnung werde über die bisherige Praxissoftware abgewickelt. Geniocare ist eine Alternative zu den in die Praxis-IT integrierten Modulen der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG). Warum dieses Zusatzprogramm aus Sicht der Ärzte notwendig sein soll? „Wir arbeiten uns wund in der Verwaltung unserer Patienten“, erklärte Jens Wagenknecht, Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Hausärzteverbandes und selbst Testarzt in der Pilotphase. Das Programm mache nur das, „was wir brauchen und nicht das, was andere meinen, dass wir es brauchen“. Schlicht: Im Mittelpunkt steht das Vereinfachen der Alltagsprozesse. Die Anwendung läuft parallel zum PVS und lässt sich auch mobil auf einem Tablet oder dem Smartphone bedienen. „Nun können wir beginnen, das gesamte Medikations- und Formularwesen digital zu nutzen“, so Wagenknecht. Die Einbindung des Medikationsplans bzw. der Arzneimitteltherapiesicherheit sollen die nächsten Entwicklungsschritte sein, teilte egopulse-Geschäftsführer Dr. Lutz Kleinholz mit.

"Facharzt für Schriftverkehr"

Die datenschutztechnischen Vorkehrungen und die datenschutzrechtliche Bewertung seien bereits auf die ab Frühjahr 2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung der EU ausgerichtet, versprach Kleinholz. Die Anmeldung bei Geniocare erfolge mittels Zwei-Faktor-Authentifizierung; Daten werden über ein sicheres Rechenzentrum übertragen. Das System sei so unterstützend, dass medizinische Fachangestellte schlank durch die Verträge kämen, ohne diese auswendig lernen zu müssen. Der ärztliche Nachwuchs sollte keine Fremdsprache mehr zur Abrechnung lernen müssen, ist sich auch der Bundesvorstand der Hausärzte einig. Der Überweisungsschein habe zehn Prozent Platz für medizinische Informationen und 90 Prozent Platz für Administration. „Ärzte sollten nicht Facharzt für Schriftverkehr werden“, so Weigeldt.

Ganz lasse sich ein gewisses Maß an Doppeldokumentation vorerst nicht vermeiden – zum Beispiel bei Diagnosen. Wie viele der 16.000 Ärzte, die in HZV-Verträgen aktiv sind, sich daran beteiligen werden, könne noch nicht präzise abgeschätzt werden. Zu Beginn werde aber mit einer Geniocare-Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich gerechnet. Eine Angabe zu einer benötigten Anzahl, um den Break-Even-Point zu erreichen, wollte der Verband nicht machen.


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