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Deutsche Schlaganfallgesellschaft: Diskussion über Mindestmengen bei Spitzenbehandlung

25.10.2017 15:48 Uhr  

Themen: Ärzte   Krankenhäuser  

Etwa 260.000 bis 270.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. Anlässlich des Welt-Schlaganfall-Tages am 29.10, kommenden Sonntag, hat die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) auf juvenile Schlaganfälle aufmerksam gemacht, Deutschlands Vorreiterrolle in der weltweiten Behandlung verdeutlicht und über den Aufbau sogenannter neurovaskulärer Netzwerke (NVN) informiert.

„Der Schlaganfall ist schon eine Alterserkrankung. Es gibt aber auch etliche jüngere Patienten, etwa 20 Prozent der Altersgruppe 18 bis 55 Jahre, die einen juvenilen Schlaganfall bekommen“, so Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, DSG-Pressesprecher und Chefarzt an der Klinik für Neurologie am Evangelischen Krankenhaus Bielefeld-Bethel, heute in Berlin. Trotz guter Therapiemöglichkeiten kehren von den Betroffenen eines juvenilen Schlaganfalls nur etwa 40 Prozent an ihren Arbeitsplatz zurück; etwa ein Drittel bleibt sogar dauerhaft berufsunfähig.  In amerikanischen Kliniken behandelte Schlaganfälle dieser Altersgruppe nehmen seit 1995 kontinuierlich zu, in der Altersgruppe der 35- bis 44-jährigen Männer sogar um 41,5 Prozent, bei Frauen immerhin noch um 30 Prozent. Zahlen zu Deutschland gibt es keine offiziellen, aber die DSG-Experten verweisen auf ähnliche Erfahrungen in Deutschland. Schlaganfallursachen bei jüngeren Patienten seien komplexer und schwieriger zu diagnostizieren, berichten sie. Nur circa 10 bis 15 Prozent der juvenilen Schlaganfälle sind auf seltene Ursachen wie Gefäßentzündungen, Gerinnungsstörungen und Stoffwechselstörungen zurückzuführen. „Ein Grund für das vermehrte Auftreten von Schlaganfällen bei jüngeren Patienten liegt vermutlich in dem Anstieg der typischen Gefäßrisikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können. Dazu zählen beispielsweise ein hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht“, so Schäbitz. Schlaganfälle sind in vielen Fällen eine vermeidbare Erkrankung. Das zu betonen, ist den DSG-Experten wichtig.

Outcome deutlich verbessert

Deutschland ist in der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten schon jetzt sehr gut aufgestellt. Die mechanische Thrombektomie (MTE) stellt seit knapp drei Jahren ein neues, etabliertes Verfahren in der Behandlung bereit und ist fast flächendeckend gewährleistet. „Die Thrombektomie kann schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall verhindern, da verstopfte Hirnarterien mittels eines Mikrokatheters von einem großen Blutgerinnsel befreit werden“, erläutert Prof. Dr. Darius Nabavi, Vorsitzender der Stroke-Unit-Kommission der DSG und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin. „80 Prozent der akuten Schlaganfälle werden über den Verschluss eines Gefäßes ausgelöst“, so Prof. Dr. Martin Dichgans, 1. Vorsitzender der DSG und Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Klinikum der Universität München. Die Kombination von systemischer Lyse, also der Medikamentenzufuhr, und der Katheterbehandlung (MTE mechanische Thrombektomie), habe das Outcome deutlich verbessert. „Wir sind in Deutschland gut aufgestellt“, so Dichgans.

„Mindestmengen bei Thrombektomien sind ein Thema“

„Die Stroke-Units sind keine europäische Vorgabe. Sie sind ein Meilenstein“, so Nabavi weiter. Inzwischen gibt es 307 zertifizierte Stroke-Units in Deutschland. Zudem gibt es 30 bis 40 telemedizinische Stroke-Units in Deutschland, die sich nach Vorstellung der DSG in den nächsten Jahren zertifizieren lassen sollen. Aktuell sind etwa 450 Neurointerventionalisten, also die Spezialisten, die eine Thrombektomie durchführen dürfen, in Deutschland an etwa 140 Standorten tätig. Dies entspricht in weiten Teilen einer flächendeckenden Versorgungsstruktur. Im vergangenen Jahr berichtete InfoPool bereits, dass es 2016 rund 140 Stroke Units gab, die eine Thrombektomie durchführen durften. Auf Nachfrage, warum die Anzahl nicht weiter gestiegen sei, erklärte Nabavi: „Wir brauchen nicht an jeder Stroke Unit eine Thrombektomie. Wir werden künftig noch mehr Zentren haben, aber die Anzahl wird sich nicht mehr verdoppeln. Mindestfallzahlen sind ein großes Thema. Wir haben keine Zahlen festgelegt, aber 50 Fälle pro Jahr sollten es schon sein.“ Darunter drohe die Qualität zu leiden. 2016 wurden in Deutschland etwa 7000 MTE durchgeführt, was in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch auf 10.000 bis 15.000 gesteigert werde, schätzt Nabavi.

Hinweis: Dies ist eine gekürzte Fassung. Die vollständige Langversion des Berichtes finden InfoPool-Abonnenten im Kundenbereich.


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