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Bundesgesundheitsminister Gröhe will nach der Wahl im Amt bleiben

Gleich die erste Frage von Eva Quadbeck, Leiterin des Hauptstadtbüros der Rheinischen Post, entlockte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ein unerwartet klares Ja. Er wäre gern noch weitere vier Jahre in diesem Amt. Der Minister stellte sich am 3. Mai auf dem 9. Düsseldorf IN nicht zum ersten Mal den Fragen der Berliner Redakteurin.

Er habe dies auch der Bundeskanzlerin mitgeteilt, eine Vereinbarung darüber bestehe natürlich noch nicht. Schließlich gebe es vorher noch eine Wahl zu gewinnen. Und seine Frau? Wäre hoffentlich einverstanden. Als wichtigste Gesundheits-Projekte der nächsten Legislaturperiode sieht Gröhe: Mehr Brücken zwischen den Versorgungsformen und das Entstehen neuer Gesundheitsberufe, die den veränderten Anforderungen Rechnung tragen würden.

Die längere Lebenserwartung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit polymorbider Diagnosebilder erfordere mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der medizinischen Versorgung, zwischen den medizinischen Fachrichtungen, zwischen Klinik und Praxis und zwischen Medizin und Pflege. Die pflegerische Ausbildung etwa würde gerade den aktuellen Erfordernissen angepasst. Gröhe betonte, dass die deutsche Medizin Spitzenleistungen hervorbringe, es fehle aber noch an Teamgeist und besserem Zusammenspiel. Neben Vorschriften und Vergütungsregelungen müsse dafür eine neue Kultur des Zusammenwirkens heranwachsen. Als positives Beispiel erwähnte Gröhe ein Telemedizinprojekt der RWTH Aachen, das rund um die Uhr konsiliarische Beratungen in den Bereichen Infektiologie und Intensivmedizin für Ärzte und andere Kliniken bereitstelle. Er sieht bezüglich einer besseren Vernetzung die Kliniklandschaft aktuell in Bewegung.

Kein "teurer Gesundheitsminister"

Hermann Gröhe verteidigte sich gegen den Vorwurf, er sei mit seinen Gesetzen ein „teurer Gesundheitsminister“. Kaum ein Versicherter werde, so sein Einwand, ernsthaft seine Gesetze zur Prävention, zur besseren Hospiz- und Palliativmedizin oder zur Verbesserung der Hilfsmittelversorgung ablehnen. Die längere Lebenserwartung mache eben auch eine überdurchschnittliche Kostensteigerung erforderlich. Im Übrigen habe sich die Finanzlage der Krankenkassen in dieser Legislaturperiode von einem Defizit zu Rücklagen in Höhe von 25 Milliarden Euro entwickelt. Und schließlich seien die Gesundheitskosten in Deutschland bei einer 100-Prozent-Versorgung mit 11 Prozent des BIP noch erheblich günstiger als in den USA bei einer weit geringeren Versorgungsquote mit 18 Prozent des BIP. Eine Limitierung der Beitragssätze mit der Folge von Therapiebeschneidungen komme für ihn nicht in Betracht.

Versandhandel selbst schuld?

Gröhe bekannte sich zu seinem geplanten Verbot des Versandhandels verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Das bisherige funktionierende Nebeneinander der Apotheken und des Versandhandels (mit Festpreisen) hätten die Versandhändler schließlich selbst zu Fall gebracht. Das Zusammenspiel der Beratungen zwischen Arzt und Apotheker hält Gröhe als „klassisches 4-Augen-Prinzip“ für unverzichtbar. „Ich will eine vernünftige Versorgung“ ist seine Forderung, verbunden mit einem Appell zur Solidarität mit dem Apotheker, der Tag und Nacht in seiner Offizin die Beratung und Versorgung sicherstelle. Ob er glaube, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode fertigstellen zu können? „Ich traue der SPD zu, klüger zu werden!“

Ein weiteres Gesetz zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten Gebieten lehnt Gröhe ab, dies sei Ländersache. Allerdings sei der Bund gefordert, den Ländern zu ermöglichen, dies selbst in die Hand zu nehmen. Dafür gebe es bereits ein Hausaufgabenheft zwischen Bund und Ländern als gemeinsames Fundament. Nur die Verteilung der Arztpraxen zu ändern reiche sicher nicht, erforderlich sei auch eine moderate Erhöhung der Anzahl der Studienplätze.

G20-Gipfel: Gesundheit spielt endlich eine Rolle

Schließlich zeigte sich der Bundesgesundheitsminister erfreut, dass erstmals das Thema Gesundheit in der kommenden G20-Konferenz als Einstimmungsthema eine wichtige Rolle spiele. Insbesondere für Entwicklungsländer sei Gesundheit ein Thema von zentraler Bedeutung. Die Welt sei unzureichend vorbereitet für zukünftige Epidemien, die sicher kommen würden. Dies solle Gegenstand einer gemeinsamen Übung der Gesundheitsminister unter Leitung der WHO sein. Gröhe betonte, dass die medizinische Forschung in Deutschland, insbesondere auch die Tropenmedizin, hervorragend aufgestellt sei und dieses Wissen in Entwicklungsländer transportieren könne. Auch aufgrund gestiegener finanzieller Beteiligung sei Deutschland hier ein gefragter Partner.

Ob es in der nächsten Legislatur für ihn denn auch ein anderes Amt sein dürfe, hakte Eva Quadbeck abschließend nach, etwa Bundesinnenminister oder vielleicht Bundestagspräsident? Gröhe diplomatisch: „Hauptsache gesund!“

Aus Düsseldorf berichtete unser Korrespondent Dr. Erich Schröder.


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