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40 Prozent der Unternehmen vernachlässigen Betriebliches Gesundheitsmanagement

10.05.2017 15:13 Uhr  

Themen: Gesundheitspolitik   Krankenkassen   Studien - Umfragen  

„Jeder Gesunde ist ein potentiell Kranker“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, heute in Berlin. Deshalb sei das Betriebliche Gesundheitsmanagement wichtig. Nur wird dieses nicht in ausreichendem Maße gelebt. In der Studie "#whatsnext - Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt" hat das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), eine Ausgründung von Wissenschaftlern der Universitäten München, Karlsruhe und Konstanz, zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) 825 Geschäftsführende, Personaler und Verantwortliche für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) nach den größten Herausforderungen heute und in Zukunft gefragt. 519 der 825 in der Studie vertretenen Unternehmen haben mehr als 250 Mitarbeiter. „Rund zehn Prozent der Unternehmen haben noch gar keine BGM-Erfahrungen gemacht“, kritisierte Baas. 30 Prozent hätten nur vereinzelt Maßnahmen umgesetzt. „Diese Zeit ist vorbei. Es braucht systematische Konzepte. Die Salatbar in der Kantine und der höhenverstellbare Schreibtisch sind gut, aber nicht genug“, so der TK-Chef weiter. In vier von zehn Unternehmen sei das BGM nicht ausreichend. Nur etwas über ein Drittel (37 Prozent) der Befragten gibt an, dass in ihrer Organisation ein ganzheitliches BGM eingerichtet wird, das sich gesunden Strukturen und Prozessen widmet.

Die Führungsebene trägt die Verantwortung

Man könne aus Arbeitsunfähigkeitsquoten deutlich ein Führungsproblem ablesen, meint Baas. Viele Führungskräfte seien schon unsicher, ob sie Mitarbeiter auf gesundheitliche Probleme ansprechen dürften, oder nicht. Dabei sei es ihre Aufgabe, so Baas. Neun von zehn Befragten (88 Prozent) benennen die Führungskräfte als wichtigste Stellschraube für die Förderung der Beschäftigtengesundheit. Ebenfalls häufig genannt: Einsatz der Unternehmensleitung und größere personelle Ressourcen mit jeweils 74 Prozent. 71 Prozent sehen einen größeren finanziellen Bedarf und mit 68 Prozent meinen fast ebenso viele, dass das interne Know-how gesteigert werden müsse. Vier von zehn Befragten gehen davon aus, dass sich das BGM-Budget in den nächsten fünf Jahren erhöhen wird. Immerhin ein Drittel glaubt, dass künftig auch das Personal für die betriebliche Gesundheitsförderung erhöht wird. Bisher sieht es nämlich ziemlich mau aus: 106 Unternehmen (14,4 %) haben laut Umfrage derzeit überhaupt kein Budget für BGM. Bei 225 Unternehmen (35%) gibt es darüber hinaus nicht einmal eine Person für die Gesundheit der Mitarbeiter.

Kommende Herausforderungen, neue Schwerpunkte

Prof. Dr. Filip Mess, wissenschaftlicher Leiter des IFBG, stellte die Herausforderungen, die Unternehmen in den nächsten fünf Jahren für ihren Betrieb als bedeutsam einschätzen, vor. Auf den einzelnen Arbeitnehmer werden, so die Prognose, eine größere Menge der Aufgaben, eine höhere Komplexität der Aufgaben und mehr Ablenkungen und Unterbrechungen am Arbeitsplatz zukommen. War und ist bisher Arbeitssicherheit die häufigste BGM-Maßnahme, denn daran hat auch diese auch ihre Ursprünge, wird sich das BGM künftig weiteren Schwerpunkten widmen müssen. Zur Arbeitssicherheit sei nur noch kurz erwähnt, dass 18% der Befragten angeben, sich dieser im Unternehmen nicht zu widmen. Entweder sind sich diese Personen nicht der gesetzlichen Pflicht bewusst, oder sie haben die Frage nicht verstanden. Künftig werden vor allem „Lebenslanges Lernen“, Studien aus Skandinavien haben die Wirksamkeit auf die Arbeitsfähigkeit belegt, und die „psychische Gefährdungsbeurteilung“ mehr in den Fokus rücken. Auch das Thema „Erholung und Schlaf“, dass laut Mess früher „in den Unternehmen verpönt war“, hat stark an Bedeutung gewonnen.  

„Big Data sorgt dafür, dass Arbeit 4.0 vor allem immer komplexer wird, uns immer größere Mengen von Informationen zur Verfügung stehen. Beschäftigte brauchen künftig eine noch höhere Stresstoleranz", so Dr. Fabian Krapf, Studienleiter und wissenschaftlicher Berater des IFBG.  Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse sich deshalb künftig noch mehr der Stressprävention bzw. der Stressresilienz widmen. Eine Möglichkeit, um die Mitarbeiter besser zu erreichen, sei Gamification, um Mitarbeiter spielerisch an Gesundheitsthemen heranzuführen. Auch wenn der wissenschaftliche Nachweis dazu noch nicht erbracht sei, so Mess, sei es doch sicherlich der bessere Weg als der erhobene Zeigefinger vor den Arbeitnehmern.  

Bloß keine Gesundheitsprämien

„Wir sind übrigens keine Fans von Gesundheitsprämien zur Förderung der Eigenverantwortung“, so Baas. Einige Unternehmen versuchen das Thema Krankenstand in ihren Betrieben zu thematisieren, indem sie Beschäftigten Prämien zahlen, wenn sie wenige oder keine Krankschreibungstage melden. „Wir glaube, dass solche finanziellen Anreize – wenn überhaupt- nur kurzfristig wirken.“ Problematisch werde es, wenn Präsentismus gefördert werde und Beschäftigte trotz Krankheit zur Arbeit kämen und so Kollegen ansteckten.


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